Das Kreuz mit dem Kreuz
- physiotherapiestah
- 5. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Warum Hüftgelenksarthrose, Schmerzen in der Lendenwirbelsäule und Atemnot zusammenhängen

Ein häufiger Grund für eine Konsultation in unserer Praxis sind Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Fast immer wurden die Betroffenen bereits auf verschiedene Arten behandelt – sei es chiropraktisch (Einrenken), durch ärztliche Injektionen oder mit eigener Gymnastik.
Während Manipulationen der Wirbelsäule kurzfristig Linderung verschaffen können, hält die Besserung häufig nur ein bis zwei Tage an, bevor die Beschwerden unverändert zurückkehren. Doch was hat unsere provokante These aus der Überschrift mit diesem Phänomen zu tun?
Einfach ausgedrückt: Die meisten Rückenschmerzen sind keine echten Rückenschmerzen, sondern entstehen aus der Dysfunktion eines bestimmten Muskels – dem Hüftbeuger.
Der Hüftbeuger
Der Hüftbeuger (Musculus iliopsoas) besteht aus dem Psoas major, Iliacus und teilweise dem Psoas minor.
Diese tief liegende Muskelgruppe verbindet die Lendenwirbelsäule und das Becken mit dem Oberschenkel. Sie ist entscheidend für die Beugung des Hüftgelenks und unterstützt uns beim Gehen, Laufen, Treppensteigen und Sitzen.
Über seine faszialen Verbindungen erstreckt sich der Hüftbeuger über die Innenseite des Beckens, das Steißbein und den vorderen Anteil der Lendenwirbelsäule bis hin zu den Ansätzen des Zwerchfells – unseres wichtigsten Atemmuskels.
Durch langes Sitzen und Bewegungsmangel verkürzt sich der Muskel und seine fasziale Hülle verliert an Elastizität. Bereits alltägliche Bewegungen können dann zu Mikrotraumata, Entzündungen und Schmerzen führen.
Aufgrund seiner Nähe zur Lendenwirbelsäule werden diese Schmerzen häufig als „Rückenschmerzen“ fehlinterpretiert – gut erkennbar daran, dass Behandlungen der Rückenpartie oft keine nachhaltige Wirkung zeigen.
Warum helfen chiropraktische Behandlungen manchmal trotzdem kurzzeitig?
Chiropraktische Manipulationen setzen kurze, präzise Impulse, die zu einer raschen Dehnung der beteiligten Muskulatur führen. Dabei reagieren spezielle Rezeptoren im Muskel und reduzieren vorübergehend den Muskeltonus – der Muskel entspannt sich kurzfristig.
Dieser Effekt ist jedoch nicht dauerhaft und erklärt die nur kurzzeitige Schmerzlinderung.
Typische Symptome eines verkürzten oder entzündeten Hüftbeugers
Nachtschmerzen, insbesondere beim Drehen im Liegen
Anlaufschmerzen nach dem Aufstehen
Ein Gefühl des „Abbrechens“ im unteren Rücken
Tiefer, brennender Schmerz im Kreuz, schwer zu lokalisieren
Stechende, punktuelle Schmerzen neben der Wirbelsäule im Bereich des Steißbeins (aktive Triggerpunkte im Beckenanteil des Hüftbeugers)
Selbsttest
Legen Sie sich auf den Rücken und ziehen Sie ein Bein so nah wie möglich an den Oberkörper, bis der Oberschenkel die Brust fast berührt. Spüren Sie dabei ein Ziehen in der Leiste oder hebt sich das andere Bein leicht von der Unterlage ab? Dann liegt sehr wahrscheinlich eine Verkürzung des Hüftbeugers vor.
Führen Sie nun das angezogene Bein über die Mittellinie des Körpers in einer kreisenden Bewegung. Verstärkt sich das Engegefühl in der Leiste? Auch das ist ein positives Zeichen für eine Dysfunktion dieses Muskels.

Die „gewagte“ These zur Atemnot
Woher kommt nun die Verbindung zwischen Hüftbeuger und Atemnot? In der Praxis zeigt sich häufig, dass Patienten mit eingeschränkter Atemfunktion unter Belastung, die bereits kardiologisch und pulmonologisch unauffällig untersucht wurden, weiterhin über das Gefühl klagen, nicht tief durchatmen zu können.
Die Erklärung liegt in der Anatomie des Hüftbeugers: Teile seiner Muskelfasern ziehen bis an die Pfeiler des Zwerchfells (Diaphragma), unseres zentralen Atemmuskels.Liegt eine funktionelle Störung oder erhöhte Spannung im Hüftbeuger vor, kann sich diese Spannung auf das Zwerchfell übertragen. Unter Belastung zieht der verspannte Muskel an den Zwerchfellpfeilern – das Diaphragma verliert an Beweglichkeit, und es entsteht das subjektive Gefühl, nicht frei atmen zu können.
Dieses Phänomen konnte ich in der Praxis bereits mehrfach beobachten. Man könnte also sagen: Ein verspannter Hüftbeuger kann nicht nur Rückenschmerzen verursachen, sondern sogar das Atmen erschweren.
Behandlung und Ausblick
Die gute Nachricht: Dieses Problem ist in vielen Fällen reversibel.Eine gezielte osteopathische Behandlung kann den Muskel rasch entlasten und Schmerzen deutlich lindern.
Für eine nachhaltige Verbesserung ist jedoch aktive Mitarbeit gefragt. Je nachdem, wie lange die Verkürzung bereits besteht und wie stark der fasziale Umbau fortgeschritten ist, kann die Therapie mehrere Sitzungen und ergänzende Eigenübungen erfordern.
Die Behandlung erfolgt in der Regel über den Bauchraum, was zunächst ungewohnt erscheinen mag, jedoch sehr effektiv ist.
Zusammenhang zwischen Hüftbeuger und Hüftgelenksarthrose
Die Ansatzsehne des Hüftbeugers zieht mit Teilen ihrer Fasern in die Kapsel des Hüftgelenks. Ist der Muskel dauerhaft verkürzt, erhöht sich der Zug auf die Gelenkkapsel, was zu Reizungen und Entzündungen führen kann.Dies wiederum beeinträchtigt den Stoffwechsel im Gelenk und kann bestehende arthrotische Veränderungen verschlechtern – oder sogar zu deren Entstehung beitragen.
Man könnte also sagen: Ein verkürzter Hüftbeuger ist oft mehr als nur ein Muskelproblem – er kann der stille Mitverursacher von Rückenschmerzen, Gelenkproblemen und eingeschränkter Atmung sein. Ihr Team der Praxis Stahl

